Interview mit Pranav Arun
Interview mit Pranav Arun
Nach der erfolgreichen nationalen Auswahl durfte ich Deutschland bei der internationalen European Olympiad of Experimental Science (EOES) vertreten. Gemeinsam mit meinem Team konnten wir dort sogar eine Goldmedaille gewinnen, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe. Besonders schön war es, dass diese Leistung später auch noch durch eine Ehrung des Bürgermeisters gewürdigt wurde. Im folgenden Interview möchte ich einen Einblick geben, wie die Auswahl ablief und welche Erfahrungen ich dabei sammeln durfte.
Das Interview
Maria: Pranav, du hast an der Auswahl zur EOES teilgenommen und sogar gewonnen. Wie lief diese Auswahl überhaupt ab?
Pranav: Die Auswahl war ziemlich anspruchsvoll. Insgesamt waren jeweils fünf Teilnehmer pro Fach dabei – also Physik, Chemie und Biologie. Vier davon kamen aus den großen Olympiaden wie IPhO, IChO und IBO, also wirklich die Besten, die altersmäßig noch teilnehmen durften. Dazu kam jeweils noch eine Person aus dem Nationalteam der IJSO. Das Niveau war also von Anfang an extrem hoch.
Maria: Wie sahen die Prüfungen während des Seminars aus?
Pranav: Wir haben jeden Tag individuelle Klausuren in allen drei Fächern geschrieben, jeweils 1,5 Stunden. Der Fokus lag stark auf experimentellen Aufgaben, ähnlich wie später bei der EOES. Theorie gab es nur, wenn sie direkt mit den Experimenten zusammenhing.
Maria: Kannst du ein Beispiel aus den einzelnen Fächern geben?
Pranav: Klar! In Biologie mussten wir vier Aufgaben machen: mit einem Bestimmungsschlüssel arbeiten, Pflanzenmerkmale analysieren, Zeichnungen beschriften und selbst Mikroskopbilder anfertigen. Besonders cool fand ich eine Aufgabe mit Distanzmatrizen, bei der wir einen Stammbaum berechnen und zeichnen mussten. In Chemie ging es darum, den Härtegrad von Wasser durch drei Experimente zu bestimmen. Das war ziemlich stressig, weil die Zeit kaum gereicht hat – fast niemand ist fertig geworden. In Physik haben wir die Wärmeabgabe einer Kartoffel untersucht und daraus eine Exponentialkurve erstellt.
Maria: Wie wurden die Leistungen bewertet?
Pranav: Die Bewertung war gewichtet: 50 % für das eigene Hauptfach und jeweils 25 % für die anderen beiden. Dadurch wurde sichergestellt, dass man nicht nur in einem Fach gut ist, sondern insgesamt stark aufgestellt ist.
Maria: Und wie ging es nach den Einzelprüfungen weiter?
Pranav: Danach wurden Teams gebildet, wobei die besten Leute kombiniert wurden. In diesen Teams haben wir dann eine dreistündige Gruppenklausur geschrieben, in der man fächerübergreifend zusammenarbeiten musste. Auf Basis dieser Leistung wurden schließlich die Teilnehmer für die internationale Runde ausgewählt.
Maria: Wie war das Programm abseits der Prüfungen?
Pranav: Ziemlich vollgepackt, weil alles in nur vier Tagen stattfand. Trotzdem waren die Abende richtig schön – wir haben viel Zeit miteinander verbracht und echte Freundschaften geschlossen. Ein Highlight war auch der Besuch der „Biosphäre“, so eine Art tropischer botanischer Garten mit Schmetterlingen und Schlangen. Danach waren wir noch im spanischen Restaurant essen, das war echt ein gelungener Abschluss.
Maria: Du hast es ja dann zur internationalen EOES geschafft. Wie war das dort organisiert?
Pranav: Insgesamt waren 48 Teams aus 24 Ländern dabei. Normalerweise stellt jedes Land zwei Teams, aber Kroatien als Gastgeber hatte drei, und die Ukraine durfte zusätzlich als Gast teilnehmen.
Maria: Wie habt ihr euch vor Ort zurechtgefunden?
Pranav: Jedes Team hatte einen Guide, meistens Studierende von der Uni dort. Mit ihnen haben wir Englisch gesprochen, und sie haben uns extrem geholfen – ohne sie hätten wir uns wahrscheinlich ständig verlaufen 😅
Maria: Wie unterschieden sich die Aufgaben von der Auswahlrunde?
Pranav: Wir haben zwei große Klausuren geschrieben, jeweils vier Stunden lang, mit Aufgaben aus Physik, Chemie und Biologie. In der ersten Klausur ging es um Gewässer in Kroatien. In Physik haben wir zum Beispiel den Brechungsindex von Wasser und Salzlösungen gemessen, indem wir mit Nadeln verschiedene Winkel bestimmt haben. In der zweiten Klausur haben wir die Luftreibung bei einem Fadenpendel untersucht. Dafür haben wir Papier um einen Zylinder gewickelt und gemessen, wie sich die Schwingung verändert. Das war experimentell ziemlich anspruchsvoll.
Maria: Was habt ihr neben den Prüfungen noch so alles erlebt?
Pranav: Das Programm war viel entspannter als bei der Auswahl und hatte viele coole Aktivitäten. Wir haben zum Beispiel mittelalterliche Spiele gemacht – mit Schwertern kämpfen, Bogenschießen und sogar Axtwerfen. Außerdem waren wir im „Museum of Illusions“, sind durch die Berge bei Zagreb gewandert, haben eine Burg und eine Mine besucht und waren im Zoo, der besonders für seine Schlangen bekannt ist. Am Ende gab es eine große Abschlussfeier, bei der wir bis Mitternacht gefeiert haben und danach noch stundenlang zusammengesessen sind.
Maria: Was nimmst du persönlich aus dieser Erfahrung mit?
Pranav: Vor allem bin ich einfach dankbar. Ich habe unglaublich viel gelernt, aber noch wichtiger war es, Menschen aus ganz Europa kennenzulernen. Es sind echte Freundschaften entstanden, und ich hoffe, dass sie noch lange halten werden.
Rückblickend war die EOES für mich eine unglaublich wertvolle Erfahrung. Neben den fachlich anspruchsvollen Aufgaben in allen drei Naturwissenschaften waren es vor allem die Zusammenarbeit im Team, die vielen neuen Begegnungen und die Freundschaften, die diese Zeit so besonders gemacht haben. Ein ganz besonderer Dank gilt dabei meiner Physiklehrerin und Mentorin Frau Edith Donhauser, die mich seit Jahren begleitet und unterstützt hat. Sie hat mich nicht nur immer wieder motiviert, an Wettbewerben teilzunehmen – sogar schon in meiner Anfangszeit in Deutschland –, sondern mich auch auf meinem eigenen Weg bestärkt und mir durch ihre Begeisterung für Physik die Freude an solchen Herausforderungen vermittelt. Sie war es, die mich zur Internationalen Physikolympiade gebracht hat und damit letztlich auch den Weg zur EOES geebnet hat; es wäre wirklich keine Übertreibung zu sagen, dass Frau Donhauser mich zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Ebenso bin ich dem Carl-Orff-Gymnasium sehr dankbar, das mir seit Jahren neue Möglichkeiten eröffnet und mich durch das Engagement der Lehrkräfte und die Anerkennung meiner Leistungen immer wieder motiviert hat, diesen Weg weiterzugehen.
- Pranav Arun und Maria Steurer
- 16. April 2026
- Pranav Arun