Zeitzeuge Abba Noar

Zeitzeugengespräch mit Abba Noar

„Viele Lehrer stellen mich den Schülern vor und behaupten, ich halte heute einen Vortrag. Das stimmt aber so nicht. Ich werde keinen Vortrag halten, sondern euch erzählen. Und ich kann nur eine einzige Geschichte erzählen und das ist die Geschichte meines Lebens.“

Abba Noar

Mit diesen Worten leitet der Holocaustüberlebende Abba Naor das Zeitzeugengespräch mit den Neuntklässlern unseres Gymnasiums am 8. Februar 2018 ein. Es ist mittlerweile eine bedeutungsvolle Tradition am COG, dass Herr Naor den Schülern außerhalb des regulären Geschichtsunterrichts auf anschauliche und zugleich schockierende Art und Weise eine Darstellung seiner Erlebnisse zur Zeit des Zweiten Weltkriegs bietet.

Abba Noar

Er schildert vor allem seine Kindheit als litauischer Jude, der anfangs nicht versteht, warum er plötzlich nicht mehr Litauer, sondern vor allem Jude ist und in der Folgezeit erleben muss, welche Konsequenzen diese Veränderung für ihn und seine Familie hat: Er führt uns in seiner Erzählung vom entrechteten Leben im jüdischen Ghetto der Stadt Kaunas, über die Ungewissheit im Durchgangslager in Stutthof zu den lebensbedrohlichen Bedingungen in den Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau, bis zum verheerenden Todesmarsch durch Oberbayern.

Abba Noar

„Als die Amerikaner uns befreiten war ich 17 und schon ein alter Mann, voller Hass. Seitdem, und ich bin heute 89 Jahre alt, habe ich gelernt, dass Hass einen nicht weiterbringt“. Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für Menschlichkeit, religiöse Toleranz und für den Schutz Unschuldiger vor Terror und Gewalt beendet Herr Naor nach mehr als zwei Stunden seine Geschichte. Eine Geschichte, die unsere Schüler so nur ein einziges Mal zu hören bekommen werden. Gerade deswegen ist es umso bedeutsamer, dass Herr Naor immer wieder zu uns kommt und sie den nachfolgenden Generationen erzählt.

  • Text: Christine Avram (Lehrerin)
    Fotos: Aaron Stark (Fototeam)
  • 19. Februar 2018
  • Sabine Thierfelder