Synagogenbesuch

Synagogenbesuch

Jüdisches Gemeindeleben in München

Synagogenbesuch

In London, da sitzt gerade ein Mann vor einem Schreibpult – vor ihm ein Bogen Pergament. Es ist mit feinen Linien versehen. Mit äußerste Präzession und Konzentration setzt der Mann eine dünne Feder, die er zuvor in ein Fässchen schwarzer Tinte getaucht hat, auf die Zeilen. Er schreibt von rechts nach links. Er schreibt Vers für Vers. Eine Tora ist im Entstehen. Ihrem Schreiber kommt eine große Ehre zu, denn das Toraschreiben, so heißt es, ist ein Handwerk, das Talent und Demut erfordert – Demut vor der jüdischen Überlieferung und dem Wort Gottes. Die Tora, an der der Toraschreiber in London schreibt, wurde von der liberalen jüdische Gemeinde München Beth Shalom e.V. in Mittersendling in Auftrag gegeben. Die Schüler_innen unserer 9. Klassen stehen vor dem Toraschrank in einem schlichten Synagogenraum und sehen mit eigenen Augen, wie respektvoll der Gemeindeleiter mit der Tora umgeht und lernen, dass er die Zeilen beim Lesen nicht mit den Fingern berühren darf, sondern alleine mit einem Zeigestab, dem Jad, da sich auf dem Pergamentpapier sonst Rückstände von Schweiß und Fett ablagern würden.

Synagogenbesuch

Die Schüler_innen erhalten bei ihrem Besuch der Synagoge nicht nur Einblick in die jüdische Glaubenspraxis, sondern lernen auch, was es bedeutet, dem liberalen oder dem orthodoxen Judentum anzugehören und sie begegnen jüdischen Gemeindemitgliedern im Gespräch. Diese Begegnung eröffnet den Schüler_innen die Möglichkeit zu verstehen, wie Geschichte in die Gegenwart hineinwirkt und zu erkennen, wie Menschen einer anderen Religion ihren Glauben verstehen. Das bietet den Schüler_innen die Chance zu reflektieren, welche Haltungen sie selbst mit ihrem Glauben oder auch Unglauben verbinden.