Mikrokredit-Projekt

Was sind Mikrokredite?

Fünf Jahre, 11 Länder, 17 Mikrokreditprojekte

Wie kann man sinnvoll Entwicklungshilfe leisten? Dieser Frage stellten sich die SchülerInnen der 8.und 12. Jahrgangsstufe im Rahmen des Geographieunterrichts. Aber STOPP! Den Begriff Entwicklungshilfe soll man ja gar nicht mehr verwenden, da er die Entwicklungsunterschiede und das damit verbundene hierarchische Gefälle zwischen den Ländern zu sehr betont. Entwicklungszusammenarbeit soll stattdessen angeregt werden, eine nachhaltige Grundlage zur Entwicklung geleistet werden und das alles im besten Falle ohne die unerwünschten Nebeneffekte.
Auch Mohammed Yunus stellte sich vor einigen Jahren dieser Aufgabe und wurde für seine Idee im Jahre 2006 sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er sah die Lösung in der Vergabe von sogenannten Mikrokrediten. Für die Menschen in Entwicklungsländern stellen diese Kleinstkredite eine Möglichkeit dar, ihre Lebensbedingungen langfristig zu verbessern. Die Finanzierung einer Nähmaschine oder einer Kuh kann für sie den Weg aus der Armut bedeuten. Die international anerkannte, gemeinnützige Organisation KIVA bietet jedem die Möglichkeit, einen Betrag einer selbst gewählten Person oder Personengruppe zur Verfügung zu stellen, der im Sinne eines Kredites vergeben wird. Die Rückzahlung erfolgt innerhalb eines Jahres - zinsfrei versteht sich.

Aufgrund der zuverlässigen Rückzahlung der Darlehensnehmer konnten nach nunmehr fünf Jahren bereits 17 Projekte in 11 unterschiedlichen Ländern verwirklicht werden. Insgesamt konnten die Schüler des COG so bereits 2.750 US-Dollar in Umlauf bringen. Lediglich 40 US-Dollar mussten aufgrund von Währungsverlusten eingebüßt werden.In die Entscheidung der Schüler*innen flossen dabei unterschiedliche Kriterien ein: der allgemeine Entwicklungsstand der Länder, die Beeinträchtigung des Lebensstandards durch Naturereignisse oder auch politische Konflikte und natürlich auch die beschriebene individuelle Situation der Menschen, die hinter den Kreditanfragen stehen.

Projektverlauf

Hier können Sie den Stand der Dinge mitverfolgen: www.kiva.org/lender/cogush

Dezember 2017

Kiva

"Virginie is 35 years old, she is married and has a child. Her husband works as a driver in a company. Virginie has been rearing pigs since last year. In order to become better informed, she has done a technical course in the subject. Given the rearing cycle (sale after 5 - 6 months of fattening), a significant amount of working capital is needed to make the business profitable: the increase of the number of livestock and a need to follow the feeding regimes has lead to this request of a third loan."

Mit diesem Anliegen bewarb sich Virginie aus Madagaskar um einen Mikrokredit und gehört damit gemeinsam mit André (ebenfalls aus Madagaskar) zu den aktuellen Kreditnehmern, die auch durch den bestehenden Etat des COG unterstützt werden. In diesem Jahr trafen Schüler*innen der Q12 die Entscheidung, diese beiden Projekte mit jeweils 125 US-Dollar zu unterstützen.

Virginie aus Madagaskar hat mittlerweile begonnen, ihren Kredit zurückzuzahlen, sodass mit diesem Geld auch im Schuljahr 2018/2019 wieder ein Mikrokredit vergeben werden kann.

April 2016

KIVA ist ein Projekt, bei dem man bedürftigen Menschen aus der ganzen Welt in Form von Mikrokrediten Geld leihen kann. Erneut hat sich die Klasse 8c mit diesem Hilfsprojekt beschäftigt. Bereits im November vergab die Klasse drei Kredite. Nach guten Einnahmen beim Weihnachtsbazar war es der Klasse nun möglich, über einen weiteren Kredit zu entscheiden. Es wurde viel recherchiert und schließlich fiel die Wahl auf Ivanloyd aus Uganda.

Kiva

Da viele Menschen in diesem Land an Ebola und anderen Fieberkrankheiten leiden und Medizin Mangelware ist, möchte er Medizin von größeren Anbietern kaufen, um sie dann in seinem kleinen Laden in einem Dorf verkaufen zu können.

November 2015

  • Der Kauf eines Wasseraufbereitungssystem mithilfe von UV-Technologie für eine Schule in Uganda.
  • Das Begleichen der Studiengebühren eines jungen IT-Studenten in Ghana.
  • Die Bezahlung von Lebensmitteln und Kleidung für einen Kleinbauern in Nigeria.

Ganz unterschiedliche Gründe für drei Menschen aus Afrika, einen Kredit zu beantragen. Die große Gemeinsamkeit: Sie haben sich für einen Mikrokredit über die Organisation KIVA beworben, um trotz geringfügiger finanzieller Mittel einen verlässlichen Kredit zu erhalten, dessen Rückzahlung in einem verträglichen und gegebenenfalls auch flexiblen Rahmen erfolgen kann.
Eine weitere Gemeinsamkeit: Zu den Kreditgebern zählt nun auch die Klasse 8c des Carl-Orff-Gymnasiums. Auch in diesem Jahr haben die Schüler nach einer Recherche zu den Bedingungen in den Herkunftsländern und sorgfältiger Prüfung des Verwendungszwecks einen Beitrag zu den drei oben genannten Krediten geleistet. Die Rückzahlung soll wieder innerhalb des nächsten Jahres erfolgen, sodass dann das Geld erneut in Umlauf gebracht und anderen Kreditsuchenden bei KIVA zukommen kann.

Frühjahr 2015

Tansania, El Salvador und die Philippinen. Nachdem sich die Klasse 8a mit den Merkmalen der Entwicklung im Allgemeinen und mit verschiedenen Ländern im Besonderen auseinander gesetzt hat, fiel die Wahl auf diese drei Länder. Naturräumliche Benachteiligung, ein schweres historisches Erbe oder die Bewältigung der Folgen von Natur- und Umweltkatastrophen führten dazu, dass die Schülerinnen diese Regionen der Erde als besonders unterstützenswert empfunden haben.
Nachdem die Suche nach geeigneten Projekten abgeschlossen war, wurden erneut verschiedene Personen und Gruppen ausgewählt, die einen Mikrokredit zur Verfügung gestellt bekamen. Mit zusätzlichem Einsatz und dem Sammeln von Spenden beim Elternsprechtag füllten einige Schüler der 8a das Konto des COG, sodass mittlerweile ca. 600 US-Dollar im Umlauf sind.

Frühling 2014

Sowohl Djatougbü (Togo) als auch Juan Pablo (Bolivien) haben Ende 2012 einen Mikrokredit zur Finanzierung ihrer Unternehmen erhalten, zu dem die Schüler der Klasse 8b jeweils einen nicht unerheblichen Anteil beisteuern konnten.
Seit Beginn des Jahres erfolgten die ersten zinsfreien Rückzahlungen in Raten. Mithilfe des zurückgezahlten Geldes der drei ersten Kreditnehmer Jahr verlieh die Klasse 8a unterschiedliche Beträge an Menschen in unterschiedlichen Ländern: Melissa (Phillipinen), Sawdatu (Sierra Leone) und Sandra Nohemy (El Salvador).

November/Dezember 2012

Die Klasse zeigte sich zu Beginn des Projektes sehr kritisch und hinterfragte die Vorgehensweise bei der Vergabe der Mikrokredite und auch die Sinnhaftigkeit dieser Art der Unterstützung. Die Tatsache, entscheiden zu können, wer den Kredit erhält, anstatt an große Organisationen zu spenden, überzeugte schließlich die SchülerInnen.
Mit dem Vorsatz, zumindest einen Kleinunternehmer in einem Entwicklungsland mithilfe eines Mikrokredits zu unterstützen, startete die Klasse 8b in das Projekt. Da die Abwicklung über eine englischsprachige Seite erfolgt, wurden die Inhalte sowohl im Geographie- als auch im Englischunterricht besprochen, Länderpräsentationen zur Einschätzung des Entwicklungsstandes erstellt, mögliche Projekte ausgewählt und Gelder gesammelt. Die SchülerInnen steuerten ein paar Euro ihres Taschengeldes bei und einige machten es sich zur Aufgabe, beim Elternsprechtag im November weitere Spenden zu sammeln. So kamen insgesamt über 300 Euro zusammen, sodass nun zwei unterschiedliche Projekte mit jeweils 225 US-Dollar unterstützt werden konnten.
Ein Teil des Geldes ging an den 22-jährigen Juan Pablo (Bolivien), der für sein Internetcafe neue Computer kaufen möchte. Die andere Hälfte floss nach Togo an die dreifache Mutter Djatougbü, die für ihren Laden neue Waren - unter anderem auch Schulmaterialien - braucht. Da die beiden Projekte auch durch viele andere Kreditgeber aus aller Welt Unterstützung erhielten, wurde ihnen das Geld mittlerweile ausgehändigt.

  • Text: Viktoria Ziegler (Lehrerin)
  • 27. Oktober 2018
  • Rafael Kalin