Der Buddhist

Der Buddhist

„Asiatischer Herkunft“, „glatzköpfig“, „etwas rundlich“, „freundlich lächelnd“ und „mit einer positiven Ausstrahlung“. So stellten wir – die evangelischen Religionsschüler der 10. Jahrgangsstufe – uns unseren Besucher, einen praktizierenden Buddhisten, vor. Der Mann, der in der Woche vor den Osterferien 2017 im Bewegungsraum erschien, war weder asiatischer Herkunft, noch hatte er eine Glatze oder war besonders rundlich. Er trug kein spezielles Gewand zum Meditieren, wie man es von Bildern oder Filmen kennt. Nur einer Erwartung wurde er voll und ganz gerecht: mit seinem Lächeln strahlte er eine unfassbare Positivität aus.
Unser Buddhist stellte sich mit dem deutschen Namen „Bernhard“ vor und erklärte, dass er als Münchener Geigenlehrer ein mehr oder weniger ganz normales Leben führe. Er erzählte uns dann, wie er – ehemals katholischer Christ – zum Buddhismus gekommen ist: dass er schon immer ein sehr neugieriger Mensch gewesen sei, die Religionen ihm aber seine Fragen nicht zufriedenstellend beantworten konnten. Als er einmal auf einer Zugfahrt eine Frau traf, die – wie sich herausstellte – Buddhistin war und die ihm auf all seine Sinnfragen eine sinnvolle Antwort geben konnte, war sein Interesse für den Buddhismus geweckt.

Der Buddhis

Schließlich beschloss er, selbst Buddhist zu werden. Doch eine Religion sei der Buddhismus eigentlich gar nicht, erklärte uns Bernhard noch; seiner Einschätzung nach sei der Buddhismus eine Weltanschauung, obwohl das oft in den Schulbüchern anders nachzulesen sei. Der Religionsgründer Siddharta Gautama beispielsweise sei gar kein Gott gewesen, sondern als Erleuchteter ein Vorbild für Buddhisten. Bernhard war es wichtig, das Vorurteil über den typischen Buddhisten, der weltfremd in stundenlangen Meditationen vor sich hinträumt, auszuräumen. Er betonte, dass Buddhisten wache, aufgeschlossene, aufmerksame
und im besten Sinne neugierige Menschen seien. Auch zu anderen Fragen und Vorurteilen nahm er offen Stellung und erklärte beispielsweise, dass Buddhisten nicht alles Leid ertragen oder jede Ungerechtigkeit über sich ergehen lassen müssen.
Am Ende seines Besuchs lud uns Bernhard noch ein, mit ihm zu meditieren. Wir sollten unsere Augen schließen, uns entspannen und ihm zuhören. Mit seiner angenehmen Stimme gelang es ihm, uns für zehn Minuten aus unserem Schulalltag gänzlich herauszulösen. Er sprach von Wärme, mächtigen, immer größer werdenden Lichtern, die den Raum erfüllen und von Buddha... Die Meditation wurde leider viel zu schnell und heftig durch unseren Pausengong beendet, aber es war sehr entspannend und insgesamt eine interessante Erfahrung, die die evangelischen Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe machen durften.