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Studienfahrt Belfast 2017

Eine großartige Stadt, in der sich das Wetter alle drei Minuten ändert
und man deshalb Gruppenfotos im Hagel macht

Stell dir vor: Du steigst um 2 Uhr morgens, total gerädert vom Zwei-Stunden-Flug aus deinem Bus aus und stehst plötzlich in einer zwielichtigen Gasse, in der dunkle Wasserpfützen schimmern und riesige Müllcontainer die Straßenwände säumen. Dein erster Gedanke: Ich bin in der Gosse angekommen. Was für eine Studienfahrt habe ich denn da gewählt?

Eine, die du auf jeden Fall so schnell nicht vergessen wirst, stellte sich bei Tageslicht heraus, als sich die Wasserpfützen in normales Regenwasser verwandelt hatten und die Sonne das bunte Mural gegenüber von unserem Hostel strahlen ließ. Unsere Herberge lag genau im Stadtzentrum und dieses Privileg wurde auch gleich ausgenutzt, indem wir unser erstes irisches Frühstück in einem kuscheligen Café einen Katzensprung von uns entfernt genossen. Typisch irisch bedeutet: Potato Bread, Pancakes, Bacon ... und irische Sausage, die ganz anders schmeckt – aber viel besser als deutsche Bratwurst. Diese Stärkung war allerdings auch dringend nötig, denn danach ging’s einmal quer durch Belfast. Von geschichtsträchtigen Bauten wie dem Europa Hotel (es wurde von der Terroristenorganisation IRA bombardiert, jedoch wieder vollständig aufgebaut) oder der Queen’s University (an der man ganz toll Mathe studieren kann), ging es zu den Botanic Gardens und dem Big Blue Fish (eine riesige Fischstatue direkt neben dem River Lagan). Das beeindruckenste Gebäude war allerdings die City Hall, das Rathaus, dessen vielfältiges Innenleben uns in einer viel zu kurzen, aber unglaublich interessanten Führung dargeboten wurde.

Der zweite Tag spielte sich ausschließlich an Nordirlands Nord- und Nordwestküste ab. Unser Ziel hieß Giant’s Causeway, welchen man natürlich nur durch eine sehr lange Busfahrt erreichen konnte. Dies ist für einen eingefleischten Irlandfan jedoch kein Problem, da man stundenlang strahlendes Irland-Grün (das wirklich anders aussieht als deutsches Grasgrün) und ab und zu glücklich-grasende Schafherden sieht. Doch hat man die Busfahrt überlebt und steht man schließlich auf den riesigen, bis zu 25 Meter hohen Basaltsäulen, die die Küstenränder umarmen, da wird einem klar, dass man gerade ein gigantisches Naturwunder in echt sieht und auf das sich meilenweit bis nach Schottland erstreckende Meer hinausblickt. Leider musste auch diese einzigartige Erfahrung irgendwann enden und es zog uns nach Londonderry, Hochburg der sogenannten „Troubles“, die blutigen Straßenkriege zwischen Briten und Iren im 20. Jahrhundert. Wer sich mit Geschichtelernen schwer tut, der sollte auf jeden Fall einmal die Murals in Derry auf sich wirken lassen – Geschichte erzählt und festgehalten in Wandgemälden: das ist um einiges eindrucksvoller als stupide Texte.



Am nächsten Tag folgte ein kurzer Ausflug in das Crumlin Road Gaol, das Gefängnis in Belfast. Es gab eine intensive Führung durch Gefängnisflügel C, einen unterirdischen Tunnel bis hin zur Exekutionskammer, in der man irgendwie schon ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bekam, als man vor den Galgen stand. Danach wurden wir in die wohlverdiente (Shopping-)Freizeit entlassen, jedoch fand sich ein tapferes Grüppchen, welches die anstrengende Wanderung zu einem der schönsten Orte Nordirlands wagte. Die Rede ist von Cave Hill (Ein Berg mit einer Höhle), dessen höchster Punkt und steilste Klippe auch unter dem Namen Napoleon’s Nose bekannt ist. Also tanzten die Wanderer Napoleon wortwörtlich auf der Nase herum. Den Abend ließen wir mit einem flotten Rock’n’Roll-Musical und viel zu großen Portionen bei Fish’n’Chips ausklingen.

Der letzte Tag in Belfast begann selbstverständlich wieder einmal mit einem Fußmarsch. An dieses Ritual gewöhnte man sich recht schnell. Eine kurzfristige Planänderung gab uns die Möglichkeit kurz in Stormont, dem Parlamentsgebäude von Belfast, vorbeizuschauen und noch eine kurze Führung zu ergattern. Viel Zeit zum Staunen blieb uns allerdings nicht, denn es ging wieder in die andere Richtung. Diesmal zum Titanic Museum, in welchem einem klar wurde, dass der Film die Geschichte der Titanic mehr als nur oberflächlich behandelt. Zu unserem Glück konnten mehrere von uns am Abend den Beginn des Festival of Fools (man muss den Namen wirklich wörtlich nehmen) live miterleben. Die Eröffnungszeremonie wurde von einer Dreiergruppe Akrobaten aufgeführt, welche mit Geschick und Balance eine humorvolle und amüsante Geschichte erzählten, bei der man einfach nur ewig zuschauen und weiterlachen wollte. Viele kennen das vielleicht nur aus dem Zirkus, in Belfast allerdings findet man das mitten auf der Straße.

Um ehrlich zu sein, denke ich, hätten wir keine bessere und schönere Studienfahrt wählen können. Die Menschen, die Kultur, die Natur und so viele andere Aspekte, dass ich noch einen neuen Artikel schreiben müsste, machen Nordirland und vor allem Belfast zu etwas Einzigartigem. Jemand, der sich wirklich auf das Land eingelassen und sich darin verliebt hat, bekommt sicherlich Fern-/Heimweh bei dem Gedanken an diese wunderschönen fünf Tage.

Kleiner Belfast-Knigge:
P.S. Und ein riesen Dankeschön an Sie, Herr Münzer und Frau Ziegler, für Ihre super Ortskenntnisse und Ihre tollen (viele ;)) Fotos.
Ohne Sie wäre diese wunderschöne Reise nicht möglich gewesen.

Autor: Text: Andrea Weiller (Q11), Fotos: Viktoria Ziegler (Lehrerin)
Homepagemitarbeiter: Thi
18.05.2017