Wissenschaft mit Kick

Vortragsreihe „Faszination Physik“

"Wissenschaft mit Kick"

Gerd Hoffmann

Nach sechs interessanten und auch sehenswerten Vorträgen aus der Reihe "Faszination Physik" folgte am Donnerstag, den 10.06.2010 aus aktuellem Anlass der siebte: „Wissenschaft mit Kick“. Unser Physikfachbetreuer und Bayernfan Gerd Hoffmann stellte die wunderbare Welt der Fußball-WM vor, und zwar, wie sie physikalisch funktioniert. Einerseits war ich als Nicht-Fußballer auf einen Vortrag über Fußball so wild wie auf Medizinballschubsen im Seniorenheim, andererseits, als Physikkollegin… Vielleicht warf die Frage nach der Physik im südafrikanischen "Contest der strammen Waden" doch noch interessante Aspekte auf. Und tatsächlich: Man musste kein schwarz-rot-gold gestreifter Fußballprofi sein, und trotzdem war‘s genial.

Bereits das erste Thema "Elfmeterschießen" barg ungeahnte Fakten und Erkenntnisse. Selbstverständlich glaubt man als Fußball-Laie, der Torwart ist ganz schön dämlich (Stichwort: Kopfball!), wenn er beim Elferschießen in die falsche Ecke springt. Er braucht doch nur abzuwarten, wohin der Ball fliegt, um dann gezielt loszuspringen. Nix! Seit Donnerstag weiß ich, dass die Reaktionszeit, die dem Torwart für seine Entscheidung bleibt, sehr, sehr kurz, also gar nicht vorhanden ist.
Schon im nächsten Kick erstaunte mich die Energiegewinnung bei ebenjenem "Kick", basierend auf der Leistungsfähigkeit eines Fußballerbeins, mit dessen Wirkungsgrad auf die nähere Umgebung, seien es mittelbar nun blutüberströmte Fußballer nach einer frontalen fußball-facialen Kollision oder unmittelbar Torschützen, die sich beim alles entscheidenden Schuss Frakturen an ihren eigenen Wadenbeinen zuziehen. Jetzt verstehe ich auch die ungeschriebene Regel, dass ein gefoulter und somit möglicherweise angeknackster Spieler besser nicht den Elfmeter schießen sollte.

Thema "Schusswinkel und Stoppen eines Balls": der kundige Leser vermutet es bereits, der Tanz mit dem Ball, der "Ballzauber", ist lückenlos erklärbar mit Trigonometrie und jeder Menge Newton. Die Physik hilft also auch hier und wurde von Trainer Gerd wegen ihrer direkten Zusammenhänge mit den Vorgängen auf der heimischen Mattscheibe als 12ter Spieler im Rampenlicht des grünen Vierecks aufgestellt, um sich in sehr einfacher, aber beeindruckender Weise feiern zu lassen.

Nach der funktionalen Erklärung einer "Vuvuzela" (soll so viel wie "Elefantenschrei" heißen) war die maßgeschneiderte Physik für den angehenden Fußballfan dann so richtig nach meinen Geschmack und ließ mich zwangsläufig eine solche ergattern. Natürlich musste meine Tochter umgehend die Ausbildung frequenzunterschiedlicher stehender Wellen testen. Der Versuch musste allerdings nach ca. 10 Testreihen abgebrochen werden, da meine Nachbarn kein Verständnis für physikalische Experimente hatten.

"Links blinken, rechts abbiegen" ist ja eher ein aus der Verkehrswelt bekanntes Phänomen. Dass es auch auf einen Fußball zutrifft, wurde mir im weiteren Verlauf des Vortrags klar. Flatterbälle sind zwar sowieso faszinierend anzuschauen, aber deren physikalische Erklärung ist geradezu phänomenal. Und abschließend begriff das an diesem Punkt bereits entsprechend eingestimmte Publikum (ja, auch "La Ola" ist Physik!), dass die Herstellung eines Fußballs Physik in reinster Form ist.

Trotz meiner anfänglichen Bedenken hat der kurzweilige Vortrag mein Physikerherz höher schlagen lassen, ich fühle mich jetzt stark genug für alle kommenden WMs. Er hat, auch in Verbindung mit den dazu passenden Videosequenzen historischer und spektakulärer Fußballszenen, meine fußballblinden Augen geöffnet für die Leistungen der Fußballspieler. Es bedarf jeder Menge Talent, Ballgefühl, Reaktionszeit und Kraft, um dieses Spiel zu beherrschen - und natürlich auch jeder Menge Physik!

Vielen Dank, Trainer!

  • Text: Edith Donhauser, Lehrerin
    Fotos: Andreea Gerger, Fototeam
  • 27. Oktober 2016
  • Sabine Thierfelder