Jugend debattiert 2026
Jugend debattiert 2026
Regionalwettbewerb „Jugend debattiert“
Ein Tag im Zeichen der Debatte
Es ist still im Raum. Die Juroren nehmen Platz, die Debattierenden sitzen sich gegenüber. Noch einmal rasch ein Blick auf die Notizen. Dann erklingt die Glocke – und die Debatte beginnt.
So startete für uns am 25. Februar 2026 der Regionalwettbewerb von „Jugend debattiert“ am Thomas-Mann-Gymnasium. Gemeinsam mit Frau Heye, den beiden Schülerjurorinnen Sophie Goldschmidt und Anna Ziegler sowie unserem Springer Jonas Mall waren wir am Morgen aufgebrochen – mit einer Mischung aus Vorfreude, Anspannung und der Frage, was uns an diesem Tag erwarten würde.
Schon beim Betreten des Debattenraums wurde klar: Hier treffen viele gut vorbereitete Debattierende aus verschiedenen Schulen aufeinander. Kurz zuvor waren die Listen der Vorrunden ausgehängt worden. Jetzt galt es, die letzten Minuten vor Beginn zu nutzen: Argumente ordnen, mögliche Gegenargumente durchdenken, ruhig bleiben.
Dann begann die erste Debatte. Die Streitfrage lautete: "Sollen Haustierhalter zum Abschluss einer Tierkrankenversicherung verpflichtet werden?"
Schnell entwickelte sich eine intensive Diskussion. Argumente wurden abgewogen, Beispiele eingebracht, Einwände formuliert – genau so, wie es das Format von „Jugend debattiert“ verlangt. Nach der Debatte zog sich die Jury zur Beratung zurück und gab anschließend ein Feedback – eine wertvolle Gelegenheit, um eigene Stärken zu erkennen und Hinweise für zukünftige Debatten mitzunehmen.
Viel Zeit zum Verschnaufen blieb allerdings nicht. Schon bald stand die zweite Runde an. Mit dem vertrauten Klang der Glocke begann die nächste Debatte, diesmal zur Frage: "Soll auf allen öffentlichen Plätzen in München kostenloses WLAN angeboten werden?" Wieder prallten unterschiedliche Perspektiven aufeinander, wieder wurde argumentiert, entgegnet und nach überzeugenden Lösungen gesucht.
Der spannendste Moment des Tages folgte schließlich mit der Verkündung der Finalisten. Auch wenn es für uns diesmal nicht ganz für das Finale gereicht hat, war der Wettbewerb eine intensive und lehrreiche Erfahrung.
Besonders die Debatte der Sekundarstufe II beeindruckte uns durch ihre hohe Qualität, ihre präzisen Argumente und die souveräne Art, mit der die Debattierenden zur Streitfrage „Soll die Veröffentlichung von Wahlumfragen im Vorfeld von Wahlen verboten werden?“ aufeinander eingingen.
Am Ende ging es zurück zur Schule – etwas erschöpft, aber mit vielen neuen Eindrücken. Vor allem aber blieb die Erfahrung eines Tages, an dem Argumente, Zuhören und der respektvolle Austausch im Mittelpunkt standen. Genau darum geht es bei „Jugend debattiert“.
Regina Baade (9c) und Henrik Heilemann (10c)
Jugend debattiert am COG
Sachlich streiten. Demokratisch denken. Verantwortung übernehmen.
Am Montag, den 26. Januar 2026 stand das Carl-Orff-Gymnasium wieder ganz im Zeichen der Debattenkultur: Der Schulwettbewerb von „Jugend debattiert“ in der Altersklasse 1 (9. und 10. Klassen) brachte erneut eindrucksvoll zum Ausdruck, wie lebendig demokratisches Denken und Argumentieren an unserer Schule verankert ist. Beim darauffolgenden Regionalentscheid im Februar war das COG wieder mit einer ganzen Delegation vertreten: Juroren, Debattanten und die begleitenden Lehrkräfte sorgten dafür, dass unser Schulteam nicht nur fachlich, sondern auch menschlich überzeugt hat.
Verantwortung übernehmen: Die Rolle der Schülerjuroren
Die „Jugend-debattiert“-Glocke – sie markiert Beginn und Ende jeder Debatte.
Ein besonderes Fundament des Wettbewerbs wurde bereits Anfang Januar gelegt. In bewährter Kooperation mit dem Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching wurden unsere Schülerjuroren aus den 9. Klassen intensiv geschult. Diese langjährige Zusammenarbeit ermöglicht eine professionelle, fundierte Ausbildung, bei der nicht nur Bewertungsmaßstäbe vermittelt werden, sondern demokratische Haltung eingeübt wird.
Die Jurorenausbildung bedeutet für die Schülerinnen und Schüler weit mehr als das Erlernen eines Punktesystems. Sie lernen, konzentriert zuzuhören, Argumentationsstrukturen zu durchdringen und zwischen persönlicher Meinung und sachlich begründetem Urteil zu unterscheiden. Sie üben, Kriterien konsequent anzuwenden, Argumente fair abzuwägen und Entscheidungen transparent zu begründen. Gerade dieser Perspektivwechsel – vom Debattanten zum Bewertenden – schärft das analytische Denken und stärkt Verantwortungsbewusstsein und Urteilsfähigkeit nachhaltig.
Dass bei „Jugend debattiert“ die Schülerjuroren stets die Mehrheit der Jury bilden, unterstreicht diesen Anspruch: Junge Menschen entscheiden hier selbst maßgeblich darüber, wer weiterkommt. Demokratie wird nicht nur thematisiert, sondern praktisch eingeübt.
Die Finaljury beim konzentrierten Mitschreiben in der Aula.
Vorrunde: Kupfergeld – zwischen Tradition und Zukunft
In der Vorrunde wurde die Streitfrage debattiert:
„Soll Kupfergeld als gesetzliches Zahlungsmittel in Deutschland abgeschafft werden?“
Diese Frage verbindet wirtschaftliche, ökologische und alltagspraktische Aspekte gleichermaßen und greift eine Diskussion auf, die in Politik und Gesellschaft tatsächlich geführt wird. In Zeiten digitaler Zahlungsformen, steigender Produktionskosten und wachsender Nachhaltigkeitsdebatten steht das Thema exemplarisch für das Anliegen von „Jugend debattiert“: aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen differenziert zu durchdenken und argumentativ verantwortungsvoll zu behandeln.
Aus den Klassensiegern der sechs 9. Klassen sowie engagierten Debattanten aus den 10. Klassen, die sich zusätzlich angemeldet hatten, wurden die vier Punktbesten ermittelt. Sie zogen ins Finale ein.
Finale: E-Scooter-Führerscheinpflicht? – Debatte vor großem Publikum
Das Finale fand vor allen Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen in der Aula statt. Die Streitfrage lautete:
„Soll für das Fahren von E-Scootern eine Führerscheinpflicht gelten?“
Kaum ein Thema hätte sich besser für eine öffentliche Debatte geeignet. Fast jeder im Publikum hat unmittelbare Berührungspunkte mit E-Scootern – als Nutzer, Mitfahrer oder Verkehrsteilnehmer. Die Frage berührt außerdem Aspekte von Verkehrssicherheit, Eigenverantwortung, staatlicher Regulierung und Generationengerechtigkeit. Gerade diese Lebensnähe machte die Debatte besonders anschaulich und zugleich anspruchsvoll.
Mit großer Präsenz, klar strukturierten Argumenten und bemerkenswerter Souveränität stellten sich die Finalisten der Herausforderung, vor vollem Haus zu debattieren.
Jonas Mall (10d) – im vergangenen Jahr Teilnehmer am Landeswettbewerb – debattiert erneut mit beeindruckender Präsenz.
Eine Siegergeschichte, wie sie nur „Jugend debattiert“ schreibt
Die diesjährige Schulsiegerin, Regina Baade aus der Klasse 9c, sorgte für eine Geschichte, die man nicht planen kann: Ursprünglich Drittplatzierte ihrer Klasse, wurde sie erst am Sonntag vor dem Wettbewerb aus einer Freiwilligengruppe für einen freigewordenen Platz in der Vorrunde ausgelost. Sie nutzte ihre Chance, debattierte sich ins Finale – und gewann schließlich den gesamten Schulwettbewerb!
Gemeinsam mit dem Zweitplatzierten, Henrik Heilemann aus der Klasse 10c, qualifizierte sie sich für den Regionalwettbewerb, der Ende Februar am Städtischen Thomas-Mann-Gymnasium stattfinden wird. Beide gewannen zusätzlich ein Online-Schulsiegertraining mit „Jugend-debattiert“-Alumni – eine wertvolle Vorbereitung auf die nächste Wettbewerbsrunde.
„Jugend debattiert“-Schulsieger 2026 (eingerahmt von den Schulkoordinatoren Herrn Streidl und Frau Garady):
v.l.n.r.: Jonas Mall (10d, Platz 3), Emily Wethmar (9e, Platz 4), Regina Baade (9c, Platz 1) und Henrik Heilemann (10c, Platz 2)
Ausblick: Debattenkultur im Unterricht – die mündliche Schulaufgabe
Der Wettbewerb bildet zugleich den Auftakt zu einem weiteren zentralen Baustein unserer Debattenkultur: den aktuell laufenden mündlichen Debatten-Schulaufgaben in den 9. Klassen, die eine schriftliche Schulaufgabe ersetzen.
Diese Prüfungsform ist bewusst gewählt. Sie prüft nicht das kurzfristige Auswendiglernen, sondern nachhaltige Kompetenzen: strukturiertes Denken, sachliche Argumentation, aktives Zuhören, Reaktionsfähigkeit und sprachliche Präzision. Schülerinnen und Schüler müssen Positionen entwickeln, Gegenargumente berücksichtigen und in Echtzeit auf Einwände eingehen – Fähigkeiten, die weit über den Deutschunterricht hinausreichen.
Zugleich eröffnet diese Form der Leistungsüberprüfung gerade auch jenen Schülerinnen und Schülern eine besondere Chance, deren Stärken nicht primär im klassischen schriftlichen Prüfungsformat liegen, die ihre Gedanken jedoch mündlich klar, lebendig und überzeugend entfalten können. Immer wieder zeigt sich dabei, dass in der Debatte Talente hervortreten, die im reinen Schreibformat nicht immer gleichermaßen zur Geltung kommen.
Selbstverständlich verlangt eine solche Prüfungsform sorgfältige Vorbereitung und Konzentration. Gerade in einer Zeit, in der digitale Werkzeuge schnelle Antworten liefern und inhaltliche Oberflächlichkeit leicht zum Standard werden kann, gewinnt die eigenständige inhaltliche Auseinandersetzung besondere Bedeutung. Die Vorbereitung auf eine Debatte bedeutet recherchieren, Informationen prüfen, Argumente gewichten, Beispiele auswählen und Gegenpositionen ernsthaft durchdenken. Die Schülerinnen und Schüler bereiten sich zudem oft in Gruppen vor – ein organisatorisch anspruchsvoller, aber pädagogisch äußerst wertvoller Prozess, in dem Kooperation, Absprachen und gemeinsames Verantwortungsbewusstsein konkret erfahrbar werden.
Die mündliche Debatten-Schulaufgabe steht damit exemplarisch für eine zeitgemäße Form der Leistungsfeststellung, bei der die im Unterricht erarbeiteten Kriterien wie Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft den Maßstab bilden. Sie beschränkt sich somit nicht auf die Überprüfung von Wissen, sondern entwickelt zugleich Urteilskraft, Selbstständigkeit und die Fähigkeit zum respektvollen, sachbezogenen Austausch weiter – Kompetenzen, die für Diskursfähigkeit und eine demokratische Gesprächskultur grundlegend sind.
Der Schulwettbewerb 2026 hat erneut eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in unseren Schülerinnen und Schülern steckt. Wir sind überzeugt, dass die Debattenkultur am COG nicht nur Wettbewerbserfolge hervorbringt, sondern junge Menschen nachhaltig stärkt – im Denken, im Sprechen und im Handeln.
Wir gratulieren allen Teilnehmern und Juroren herzlich zu ihrem Engagement und wünschen unseren beiden Qualifizierten viel Erfolg beim Regionalwettbewerb in München!
- Streidl Sebastian
- 11. März 2026
- Pranav Arun