Fächerportal > Latein > Warum Latein?

Warum Latein?

Latein boomt
Download des Info-Blatts "Warum Latein?":
Word-Datei Word-Datei

Infos zur Sprachwahl

Die Wahl der 2. Fremdsprache bedeutet, weniger eine Sprachenwahl als vielmehr eine Schulzweigwahl.

Bei der Wahl von Latein wird eine endgültige Wahl des Schulzweiges noch auf geschoben. Die Wahl von Französisch bedeutet eine Festlegung auf den naturwissenschaftlichen-technologischen Schulzweig. Eine spätere Wahl des Faches Latein ist dann nicht mehr möglich.

Die Entscheidung sollte individuell getroffen werden. Dabei sind folgende Überlegungen hilfreich: Hier ist im Blick auf das Fach Latein besonders zu beachten:

Die Unterrichtssprache im Fach Latein ist Deutsch. Es gibt im Fach Latein also nicht den Zwang, sich in der fremden Sprache unterhalten zu müssen, wie dies in den modernen Kommunikationssprachen selbstverständlich notwendig ist. Ebenso ist das Lesen und Aussprechen der lateinischen Wörter problemlos, da lateinische Wörter so gesprochen werden wie sie geschrieben werden.

Keine Rolle spielen dürfen bei Ihrer Entscheidung folgende „Gesichtspunkte“: Auch etwaige Vorstellungen und Planungen hinsichtlich eines späteren Berufes sollten wegen der nur sehr bedingt vorhersehbaren Entwicklung eines Kindes sowie wegen der unkalkulierbaren Entwicklungen und Veränderungen an den Universitäten wie auch auf dem Arbeitsmarkt zum jetzigen Zeitpunkt eine untergeordnete Rolle spielen.

Das Fach Latein am Gymnasium

Ausführlichere Informationen zum Wert des Latein-Lernens findet man auf der Homepage des Altphilologenverband.

1. Latein als Vermittlung sprachlich-kultureller Allgemeinbildung

Am COG wird in der Sprachlernphase (Jgst.6 - 8) das Lehrbuch prima, Ausgabe B (Inhalt von Band I, Inhalt von Band II) verwendet. Ein Blick in dieses moderne Lateinbuch zeigt das Selbstverständnis des Faches Latein als Sprach-, Literatur- und Kulturfach: Es geht nicht darum, irgendeine „alte/tote“ Sprache zu lernen, sondern es geht um sprachlich-kulturelle Allgemeinbildung bezogen auf europäisches Selbstverständnis. Im Schulfach Latein geht es sowohl bereits im Sprachunterricht wie auch im daran anschließenden Lektüreunterricht in besonderer Weise u.a. um folgende Themen und Sachbereiche:

  1. Sprachunterricht: Im Zentrum steht das Erlernen der Sprache, also Grammatik und Wortschatz. Latein ist dabei ein Lesefach. Es geht um genaues, „mikroskopisches“ Lesen von Texten. Dabei wird die Fähigkeit zur Sprachreflexion geschult, also der Frage nachgegangen: wie funktioniert Sprache?
  2. Deutsche Sprachkompetenz: Jede Lateinstunde ist zugleich eine Deutschstunde.
  3. Sicherheit beim Verstehen und Anwenden von Fremdwörtern.
  4. Latein schafft Grundlagen für das Erlernen moderner europäischer Kommunikationssprachen.
  5. Literaturunterricht: Bereits die Inhalte der Sprachlehrbücher vermitteln ein Verständnis für Formen und Inhalte europäischer Literatur (z.B. Epos, Roman, Tragödie, Epigramm), das dann im Lektüreunterricht erweitert und vertieft wird (gelesen werden z.B. Ovid, Catull, Martial, Plinius, Cicero, Sallust, Seneca). Auch zeitgenössische Autoren wie z.B. Umberto Eco, Christoph Ransmayr oder Durs Grünbein setzen beim Leser eine fundierte an der Antike geschulte Allgemeinbildung voraus.
  6. Geschichte: Der Lateinunterricht vermittelt ein Verständnis für die Grundlagen europäischer Geschichte. Aber auch die Lektüre mittelalterlicher Texte zur bayer. Landesgeschichte wie z.B. der sog. „Stadtgründungs-Urkunde“ Münchens („Augsburger Schied“) ist im Lateinunterricht als Lektüre-Möglichkeit vorgesehen.
  7. Philosophie: Europäisches philosophisches Denken beruht bis in die Gegenwart auf den philosophischen Entdeckungen der Antike. Der Lateinunterricht vermittelt grundlegende Themen und Fragestellungen europäischer Philosophie und leistet so einen entscheidenden Beitrag für die Fähigkeit philosophische Texte inhaltlich erfassen zu können. Auch die Lektüre von lateinischen Texten neuzeitlicher Philosophen wie z.B. von Th. Hobbes (Leviathan) oder Naturwissenschaftler wie z.B. N. Kopernikus ist vorgesehen.
  8. Politik: Grundfragen politischer Bildung stellen ein fast durchgängiges Thema im Lateinunterricht dar. Gerade auch die Lektüre der Texte des oft geschmähten Caesar schulen die Fähigkeit, den Textstrategien eines Machtpolitikers und seinen mit Hilfe von Wortschatz und Grammatik bewerkstelligten Manipulationen und Verschleierungen auf die Spur zu kommen. Das Thema Rhetorik wird darüber hinaus noch besonders am Beispiel einer Cicero-Rede erarbeitet.
  9. Theater: Europäisches Theater hat seine Anfänge und Grundlagen in der Antike. Der Lateinunterricht vermittelt die Kenntnis zentraler Formen und Stoffe des Theaters (z.B.: Ödipus, Antigone, Phädra). Ein Blick auf die Spielpläne unserer Theater zeigt, dass Kenntnisse aus dem Bereich des antiken Dramas zum Allgemeinwissen jedes gebildeten Europäers gehören.
  10. Mythologie: Die Kenntnis antiker Götter und mythischer Gestalten wie Phaethon (nicht nur wegen eines Automobils!), Echo, Narziss, Pygmalion (→ „My fair lady“), Pyramus und Thisbe (→ „Romeo und Julia“), Orpheus und Eurydike, Dädalus und Ikarus, Europa, Odysseus, Achill, Aeneas ... ist für das Verständnis europäischer Literatur, Malerei und Musik unverzichtbar. Gerade hier droht in unserer Gesellschaft ein zunehmender kultureller Analphabetismus.
  11. Christentum: Da das Christentum in seiner lateinischen Tradition prägend für Europa ist, nimmt es im Lateinunterricht einen festen Platz ein (gelesen werden z.B. Texte aus der Vulgata und der Legenda aurea).
  12. Malerei: Europäische Bildtradition ist ohne Kenntnis antiker Inhalte nicht zu verstehen.
  13. Musik: Hier sei auf die Tradition geistlicher Musik (z.B. Orchestermessen), auf die in vielen Opern aufgegriffenen antiken Stoffe sowie auf die Carmina Burana oder auch die Catulli Carmina und ihre Vertonung durch Carl Orff hingewiesen.

2. Sicherung eines Grundwissens

Anhand der Lerninhalte eines Schuljahres wird jeweils für das nächste Schuljahr ein in der Fachschaft erarbeitetes verbindliches Grundwissen erstellt. Auf der COG-Hompage findet man dieses Grundwissen.

3. Latein als Voraussetzung für ein Studium?

Grundsätzlich gilt: wer Latein und zwei moderne Kommunikationssprachen gelernt hat, braucht sich um etwaige Studien- und Prüfungsbedingungen keine Sorgen zu machen. Detaillierte und aktuelle Informationen zu den Studienbedingungen in den einzelnen Studienfächern findet man bei: Eine Untersuchung an Universitäten bzgl. der Studierfähigkeiten von Studenten mit und ohne Lateinkenntnissen ist veröffentlicht in: W.D.Lebek (Hrsg.), Was nützt Latein? Fakten und Forschungen zu Latein, Deutsch und anderen Sprachen. Bamberg 2005 (C.C.Buchner-Verlag; Reihe: „Auxilia“). Eine Kurzfassung der Ergebnisse dieser Untersuchung kann man in Form einer Kopie über das Sekretariat des COG nach vorheriger Bestellung erhalten.

4. Welche Anforderungen stellt Latein als Schulfach des achtjährigen Gymnasiums?

Lateinschüler gehören, was den Umfang des zu lernenden Wortschatzes und der Grammatik betrifft, mit Einführung des achtjährigen Gymnasiums („G8“) zu den Gewinnern. Im Vergleich zum ehemaligen G9 wurde der verbindliche Grundwortschatz um ca. 400 Wörter gekürzt. Das ist fast die Wortschatz-Menge eines ganzen Schuljahres! Durchschnittlich (!) müssen jetzt ca.5 Wörter pro Lateinstunde gelernt werden. Auch die Grammatik wurde auf die wirklich notwendigen Phänomene hin nochmals überprüft und verschlankt. Pro Jahrgangsstufe umfasst ein Lehrbuch nun noch ca. 22 Kapitel, so dass für die Bewältigung eines Kapitels ca. 5-6 Wochenstunden zur Verfügung stehen.

Aber: Diese Vorteile sowie der Nutzeffekt des Lateinlernens überhaupt können sich nur dann bemerkbar machen, wenn folgende Voraussetzungen für gymnasiales Lernen erfüllt sind:

Die Bereitschaft zu Der Erfolg Ihres Kindes hängt dabei auch ganz wesentlich davon ab, dass Sie als Eltern unsere Arbeit dadurch unterstützen, dass Sie für die notwendige häusliche Arbeitshaltung Ihres Kindes sorgen, die Erledigung der Hausaufgaben kontrollieren, regelmäßig den Wortschatz abfragen und darauf achten, dass Ihr Kind seine Arbeitsmaterialien (Bücher und Hefte!) für jede Unterrichtsstunde zuverlässig dabei hat.

Also: Wenn Sie an Sprache, Grammatik, Politik, Philosophie, Mythologie, Christentum, Geschichte, Literatur, Theater, Kunst, Musik… Interesse haben und wenn Sie möchten, dass Ihr Kind daran Anteil haben soll und eine breite und fundierte auf europäische Kultur bezogene Allgemeinbildung erhalten soll, dann sind Sie gut beraten, Ihr Kind Latein lernen zu lassen.

Autor: Thomas Schüßler
Homepagemitarbeiter:
09.10.2007