Vortrag von Dr. Majorovits
Neutrinos - Geisterteilchen, die Struktur des Universums und ein exotischer Kernzerfall
Neutrinos sind schon merkwürdige Teilchen: Äußerst schwer nachzuweisen, scheinbar niemals in der Form anzutreffen, die man erwarten würde, und womöglich noch der Grund dafür, dass unser Universum so existiert, wie es heute ist. Dazu hat Herr Hoffmann für den 05.12.2011 einen Experten auf dem Gebiet der Neutrinophysik an unsere Schule eingeladen: Herrn Dr. Béla Majorovits vom Max-Planck-Institut für Physik in München.
Auf den ersten Blick schien das allerdings ein wenig verwirrend. Immerhin forscht Herr Dr. Majorovits am GERDA-Experiment im Gran Sasso Massiv in Italien. Das Ziel des GERDA-Experiments ist, einen neutrino
losen Doppelbetazerfall zu finden. Doch in Wirklichkeit ist das wohl des Rätsels Lösung:
Im Verlauf seines Vortrags, der über 160 Besucher in die Aula gelockt hatte, erläuterte er die Bedeutung der Neutrinos: Die Forschung am GERDA-Experiment zielt darauf ab, eine Theorie zu bestätigen, die besagt, dass Neutrinos ihre eigenen Antiteilchen sind. Das könnte auch erklären, wie das Universum sich nach dem Urknall weiterentwickelt hat. Wenn damals genauso viel Materie wie Antimaterie entstanden ist, könnten Neutrinos sich mehr wie Materie verhalten haben. Das würde den Überschuss an Materie erklären, aus dem schließlich unser Universum heute besteht.
Herr Majorovits ging auch kurz auf die Neuigkeit ein, die wenige Wochen zuvor Schlagzeilen machte: Am OPERA-Experiment, das sich ebenfalls im Gran Sasso befindet, wurden angeblich Neutrinos gemessen, die sich schneller als Licht bewegt hätten. Dies müsse, so Majorovits, allerdings erst noch genauer überprüft und genauer gemessen werden, bevor man daraus voreilige Schlüsse ziehen dürfe.
Insgesamt war es ein ausgesprochen kurzweiliger Vortrag über Neutrinos – Teilchen, die kaum Masse haben und kaum Wechselwirkung mit anderer Materie zeigen und dennoch Ursache für die Entwicklung unseres Universums sein könnten, das Standardmodell der Physik auf den Kopf stellen könnten und vielleicht sogar Einsteins Relativitätstheorie entkräften könnten. Neutrinos sind also Teilchen, die man keineswegs vernachlässigen darf und gespannt weiter beobachten sollte.
Die Power-Point-Präsentation zu diesem Vortrag kann man sich als COG-Schüler oder COG-Lehrkraft im
COG-Net herunter laden.
Autor: Andreas Brandt; Fotos: Andreea Gerger (Fototeam)
Homepagemitarbeiter:
Andreas Brandt06.03.2012