Carl Orff
wurde am 10. Juli 1895 in München geboren,
wo er Musik studierte und schon sehr
bald unter dem Einfluss von Debussy,
Schönberg und Strauss zu komponieren
begann. Nach Kapellmeistertätigkeit
an verschiedenen deutschen Theatern,
u. a. an den Münchner Kammerspielen
(1915-1917) sowie in Darmstadt und
Mannheim (1918/19), ließ er sich ab 1920
wieder in Mänchen nieder, wo er bei
Heinrich Kaminsky Komposition
studierte.
1924 gründete er mit der Tänzerin Dorothea Günther die Günther-Schule, um Kinder in Musik, Tanz und Gymnastik auszubilden. Im Rahmen seiner pädagogischen Bemühungen, Kinder und Jugendliche an Urformen der Musik heranzuführen, entstand die erste Konzeption zu seinem berühmten Schulwerk (1930-1933, überarbeitet 1950-1954). Es beginnt mit einfachen Rhythmusübungen und mündet in klangvolle Ensemblestücke für Instrumente wie Xylophon, Glockenspiel und andere Schlaginstrumente, die er zum Teil selbst entwickelte.
Von 1950 bis 1960 lehrte er Komposition an der Münchener Musikhochschule, 1961 übernahm er die Leitung des neu gegründeten Orff-Instituts am Mozarteum in Salzburg. Orff lebte mehrere Jahre in Dießen am Ammersee und starb am 29. März 1982 in München.
In seiner berühmten szenischen Kantate Carmina Burana (Uraufführung 1937 in Frankfurt am Main) orchestrierte Orff mittellateinische "Bauernlieder" aus einer Benediktbeurer Liederhandschrift des 13. Jahrhunderts. Sie besteht aus deftigen, weltlichen Texten, mit einer konzentrierten, nach einfachen Melodie- und Rhythmusprinzipien gebauten Musik, getreu seinem kompositorischen Grundprinzip einer harmonischen Verbindung von mimischen, musikalischen und Bewegungselementen.
Die Carmina Burana war als erster Teil eines szenischen Triptychons mit dem Titel Trionfi (Triumphe) angelegt, dem die Teile Catulli Carmina (Lieder des Catull, 1942) und Trionfo di Afrodite (Triumph der Aphrodite, 1951) als jeweils eigenständige Kompositionen folgten, die die Liebe glorifizieren. Die Stoffe für seine Bühnenwerke entnahm er häufig der antiken Dichtung, der bayerischen Komödie, dem Mysterienspiel oder Märchen. Zu seinen bedeutendsten Bühnenwerken zählen die Märchenoper Die Kluge (1943), die bayerische Tragödie Die Bernauerin (1947), das nüchterne Trauerspiel Antigonae nach Sophokles und Hölderlin (1949) und die bayerische Komödie Astutuli (1953). Orff wurde besonders für seinen Beitrag zur Erneuerung des Musiktheaters und zur Musikpädagogik bekannt.