Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen
Am 14. und 15. Februar 2011 wurde im Jugendzentrum "Gleis 1" das Stück "Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen" aufgeführt. Rund 40 Schülerinnen und Schüler (Klassenstufen 7 bis 13) der Theatergruppen des Carl-Orff-Gymnasiums hatten in den letzten Wochen und Monaten diese Collage zum Thema Bücherverbrennung entwickelt und einstudiert.
Dieses Stück befasst sich jedoch nicht nur mit der Bücherverbrennung selbst, die am 10. Mai im Jahre 1933 am Münchener Königsplatz stattfand, sondern stellt auch einen Bezug zu einigen der Autoren und ihren Werken her, die damals dem Feuer übergeben wurden. Schriftsteller wie Heinrich Mann, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner und Oskar Maria Graf wurden die Opfer dieser Bücherverbrennung, da sie sich kritisch zu den politischen und sozialen Umständen ihrer Zeit äußerten oder ihre Literatur als anstößig empfunden wurde. In kurzen Szenen, gebündelt mit eingeblendeten biografischen Informationen zu den Autoren, wird collageartig gezeigt, welchen Eindruck die Werke auf das zeitgenössische Publikum und die Nationalsozialisten machten. Der Fokus liegt jedoch auf den Autoren der Werke, die wegen ihrer provokanten Texte teilweise zum Exil gezwungen wurden, wobei einige in Vergessenheit gerieten. Außerdem wird dargelegt, wie durch die symbolische Verbrennung der Bücher letztendlich auch das Recht auf Meinungsfreiheit eingeschränkt wurde.
Ein Publikum auf der Bühne, ebenfalls gespielt von den Mitgliedern der Theatergruppen des Carl-Orff-Gymnasiums, soll außerdem die Reaktionen des damaligen Publikums auf die Autoren und deren Werke, sowie die Wandlung zum Nationalsozialismus hin darstellen. Ihre Reaktionen und Kommentare sowie alle Äußerungen der Autoren sind ausschließlich Originalzitate, aus der zeitgenössischen Presse, Autobiografien und eben den Werken. Daraus sieht man das Bemühen der Truppe um Theaterlehrer Michael Blum und Stefanie Höcherl in allen Teilen ihrer Inszenierung historische Authentizität zu wahren.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Theaterstück eine gelungene Interpretation der Ereignisse im Zusammenhang mit der Bücherverbrennung von 1933 ist, die die historischen Fakten nicht außer Acht lässt. Dennoch wird durch die teils sehr amüsanten Texte die zweifellos ernste Stimmung aufgelockert, wodurch die Gradwanderung zwischen seriöser Darstellung und einem trotzdem unterhaltsamen Theaterabend gelingt und gezeigt wird, was man mit einer bloßen Wiedergabe der historischen Ereignisse nicht erreichen könnte: das Menschliche hinter den Werken; die Autoren.
So gesehen ist schon der Titel die Botschaft des Theaterstücks:
"Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."
Presseberichte:
|
SZ, 18.02.2011: Beklemmende Bücherverbrennung
|
|
SZ, 18.02.2011: Theaterensemble des COG begeisterte das Publikum mit seinem neuen Stück
|
|
MM, 16.02.2011: Tragische Lebensgeschichten klagen an Theaterprojekt des Carl-Orff-Gymnasiums |
Autor: Text: Sarah Lemberger(10a), Fotos: Vicky Kreßler (10a)
Homepagemitarbeiter:
Michael Hoang20.02.2011